Geschichte der DGV

1929 bis 1945

Die Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde wurde 1929 auf der konstituierenden Sitzung in Leipzig unter Führung von Fritz Krause gegründet, um der Notwendigkeit eines überregionalen Fachverbandes nachzukommen.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung nahmen ihre Aktivitäten jedoch mehr und mehr ab. Spätestens seit 1936, als die letzte Tagung der "alten" Gesellschaft stattfand, beschränkte sich ihre Tätigkeit auf die Herausgabe der "Mitteilungen", in denen nun vorrangig Fachartikel und keine Vereinsangelegenheiten mehr veröffentlicht wurden. Das NS-Regime war bestrebt, die Gesellschaft aufzulösen und in einem nationalsozialistisch gesonnenen "Deutschen Ethnologentag" aufgehen zu lassen. Dieses Vorhaben wurde 1940 auf einer "Arbeitszusammenkunft" deutscher Ethnologen außerhalb der DGV besprochen. Zur formalen Umsetzung ist es jedoch nie gekommen.

 

Rolf Herzog: Die ersten zwanzig Jahre der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde 1929-49, in: DGV-Mitteilungen 11 (1982), S. 3-9

 

1946 bis heute

1946 erfolgte die Neugründung auf der ersten Nachkriegstagung in Frankfurt am Main, auf der man explizit eine pazifistische, humanistische und auf Völkerverständigung bedachte Neuorientierung formulierte.

Bericht über die Tagung in Frankfurt am Main 1946

Die in diesem Bericht enthaltene "Öffentliche Erklärung der in Frankfurt a. Main vom 19. - 21. September 1946 versammelten deutschen Ethnologen" wurde auch als "Manifesto" für die internationalen Kollegen auf Englisch verfasst:

Englisches Manifest der Neugründungsversammlung von 1946

Ferner wurde das Thema weitergeführt, mit dem man sich bereits seit Jahren beschäftigt hatte - nun mit ausdrücklich ethisch auf Völkerverständigung ausgerichteter Begründung: die Aufnahme der Ethnologie in schulische Lehrpläne.

Memorandum zur Einbeziehung der völkerkundlichen Lehre in das Erziehungswesen 1946

Die formale Wiederaufnahme der ruhenden Gesellschaft musste beim Alliierten Kontrollrat beantragt werden. Es sind keine Akten zugänglich, die Auskunft über dessen Entscheidung geben könnten. 1946 wurde Franz Termer zum kommissarischen Vorsitzenden bis zur formalen Wiederaufnahme der Gesellschaft gewählt. Auf der Tagung 1947 in Hamburg wurde er wiedergewählt, jedoch schweigt das Protokoll dazu, wie der formale Status der Gesellschaft und des Vorsitzenden war.  (vgl. Berichte der Tagungen 1946 und 1947 in: Zeitschrift für Ethnologie 75 (1950), S. 108-114)

Erst 1949 in Mainz, als die Bundesrepublik gegründet und die Zustimmung der Alliierten nicht mehr nötig war, wählte man den ersten kompletten und wahrscheinlich formal ordentlichen Vorstand der Nachkriegszeit unter Vorsitz des Frankfurter Adolf Ellegard Jensen.

 

Seit der formalen Eintragung im bundesdeutschen Vereinsregister und aufgrund ihrer Satzung hat die DGV ihren Sitz in Frankfurt am Main. Der Ort ihres Tätigkeitsschwerpunkts, ihrer Tagungen und Mitgliederversammlungen wechselt jedoch regelmäßig mit dem jeweiligen Vorstand. In den Reihen der DGV-Vorstände und -Beiräte gab es zahlreiche namhafte Vertreter der deutschsprachigen Ethnologie.

Vorstände, Beiräte und Tagungsorte seit 1929

 

Auf dem „Video Portal for the History of German Anthopology post 1945” lassen sich Interviews mit deutschen Ethnologen und Ethnologinnen einsehen, die die Geschichte der DGV in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt haben.

 

Im Laufe der Jahre wurde folgenden Personen die Ehrenmitgliedschaft verliehen:

Ursula Far-Hollender

Hans Fischer

Peter Fuchs

Ulla Johansen

Ernst Wilhelm Müller

Mark Münzel

Helga Rammow

Erhard Schlesier

Gerd Spittler

Josef Franz Thiel

 

Das Archiv der DGV befindet sich am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Besuche können nach Rücksprache mit Richard Kuba vorgenommen werden.