Vom 7. bis 8. April veranstaltet die AG Museum gemeinsam mit dem Museum Fünf Kontinente in München eine Internationale Tagung mit dem Titel „Provenienzforschung zu ethnologischen Sammlungen der Kolonialzeit“. Gefördert wird die Tagung von der VW-Stiftung.

 

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“Provenienzforschung” ist zu einem zentralen Thema kulturpolitischer Debatten und musealer Arbeit geworden. Während in der Regel von NS-Provenienzforschung die Rede ist, rückte jüngst auch die kolonialzeitliche Herkunft musealer Sammlungen in den Blick. Insbesondere im Rahmen der Planungsprozesse zum Humboldt-Forum erfahren Fragen nach der Provenienz ethnologischer Sammlungen öffentliche und mediale Aufmerksamkeit. Zunehmend wird auch von Staaten, Institutionen und Initiativen aus dem globalen Süden an europäische Museen und Sammlungen die Forderung nach einer sammlungsgeschichtlichen Aufarbeitung ihrer Bestände herangetragen.

Akademischer Hintergrund dieser Tendenz ist die verstärkte Diskussion kolonialer Erwerbsumstände in der Kolonialgeschichts- und Globalgeschichtsschreibung, den museum studies/material culture studies ethnologischer Prägung und den postcolonial studies. Eine immer wichtigere Rolle spielen dabei Konzepte wie Verflechtungsgeschichte, hybride Räume und Dinge, “verstrickte Objekte”, aber auch die Untersuchung von Gewalt-, Unrechts- und Widerstandskontexten, eine kritische Institutionsgeschichte sowie der Fokus auf die agency (Handlungsmacht) lokaler Akteuren und im übertragenen Sinne auch auf die agency von Objekten in der kolonialen Begegnung. Die genannten Konzepte ermöglichen u.a. eine differenziertere Diskussion der Erwerbszusammenhänge jenseits von Dichotomisierungen wie etwa legitimer vs. illegitimer Besitz, Raub vs. Ankauf etc. In diesen Rahmen gestellt, kann (post-)koloniale Provenienzforschung – sowohl durch Fallbeispiele wie durch Systematisierungsansätze – auch einen Beitrag zu globaler (post-)kolonialer Verflechtungsgeschichte, zur Fachgeschichte der Ethnologie und zur Geschichte der Herausbildung der akademischen Disziplinen und ihrer Sammlungen um 1900 leisten.